Im Rahmen des Kirchenfests der Reformierten Kirche Aargau leitete unsere Pfarrerin Irina Schweighoffer-van Bürck am 14. September 2025 den klassischen Gottesdienst in der Stadtkirche Aarau. Musikalisch wurde sie virtuos von Johannes Fankhauser begleitet.
Hier ihre Predigt:
Liebi Gmeind
Stellet Euch e Huus vor. Vo usse wirkts gross und imposant, aber au ebitz abwiisend. D Iigangstür isch alt, schwer und ebitz beschädigt, sie hängt schief in de Angle, als hätt sie scho viel Stürm und BsuecherInne hinter sich. Me muess fescht drgegedrucke, bevor me ka ine go. Sie ladet nid grad ii – aber wenn mes gschafft het, sie ufzmache, liegt drhinter e erstunlichs Inners.
Sobald me s Huus beträtet, wiitet sich dr Ruum. E grosse Iigangsbereich empfangt uns. Viel Türe gön vo do ab, jedi verheisst öbis ganz Eiges. In dr Mitti vom Iigangsbereich stoht e alte Röhrefärnseh. Är flimmeret unruhig und probiert verzwiiflet, die neuschte Bilder, Trends und Nochrichte iizfange. Aber d Bewegige ufem Färnseh zerfalle sofort wieder ins Rusche – als könnt är mitem Rhythmus vo dr Ziit nid Schritt halte.
Goht me wiiter entdeckt me e Bibliothek, Regal um Regal reihe sich d Büecher. Es schmeckt nach altem Pergamänt, nach Gschichte, nach Wüsse, Erinnerige und Erkenntnis. Do sin Gedanke gsammlet, Erfahrige, Schätz in druckte Siite, wo nur druf warte, ufgschlage zwärde.
E paar Schritt wiiter fallt dr Blick ufs grosse Ässzimmer. E mächtige Tisch stoht in dr Mitti, umringt mit vielne unterschiedliche Stüehl. Es isch e Ruum voll Wärmi. Do spüert me Gaschtfründschaft. Do isch Platz für alli und in dr Luft liegt dr Duft vo früsch kochtem Kaffi – e Verspräche vo Gmeinschaft, Gspröch und Mitenand.
Und denn d Wohnzimmer, zwei näbenand, wie zwei Gsichter vo dr gliiche Seel. S einte isch schwer und würdevoll. Dunkls Mahagoni, stabili Lädersässel, Möble, wo Beständigkeit usstrahle, fascht ehrfürchtig, als würde sie welle sage: «Do kasch Du Di alähne, do treit die öbis Verlässlichs.» S andere Wohnzimmer wirkt liichter, modärner. Möbel, wo ufe erschte Blick fremd erschiine, fascht ungwohnt. Wenn me aber anesitzt, denn merkt me, dass sie überraschend bequem sin. Offe, iiladend – me muess sich nur getraue, s uszprobiere.

Ungefähr eso stell ich mir unseri aktuelli Kirche vor. Immerno e imposants Gebäude, aber trotzdäm eins, wo sich nüm alli Lüt getraue, d Iigangstür ufzmache, wie no vor 100 Joor. E Kirche, wo nüm eso gsellschaftsrelevant isch, wie sie das emol gsi isch. Aber doch: Wenn me ine goht – wenn me sich druf iilost, wird me vom Innere viellicht ganz positiv überrascht. Nid durch das, dasses dr Kirche glingt, jede Trend mitzverfolge – das lost sie nämlich ame verzwiiflet zrugg, sondern durch ganz anderi Stärke. Durch e grossi Bibliothek, gfüllt mit Wüsse, Erinnerige, Erkenntnis. Gfüllt mit 100e vo Joore an Erfahrig, wo gärn wiitergäh wärde. Und denn s Ässzimmer, s Zimmer, wo alli willkomme sin, e ganz wichtigs Merkmol vo däm Gebäude, wo d Kirche söll darstelle. E Ort, wo alli willkomme sin, wo Gspröch entstön und Gmeinschaft s Wichtigschte isch.
Zwei Wohnzimmer näbenand – Tradition und Innovation, eher konservativs und eher progressivs Dänke, dr Versuche z bewahre, was wärtvoll isch und dr Versuech neus uszprobiere und am Puls vo dr Ziit zbliibe. Zwei Wohnzimmer, wo unterschiedlicher nid könnte si, aber sich doch uf e gueti Art und Wiis ergänze – au wenns immer wieder e Ringe drum git, welles Wohnzimmer jetzt söll grösser si und wie sie e harmonisches Ganzes gän, ohni sich gegesitig z verdränge.
Ich lies us Matthäus 17, d Värs 1-9
«Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiss wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus; Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.
Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Liebi Gmeind
E nid ganz eifache Text, wo mir für dr hütigi Sunntig usgwählt hän. Und doch gits ei Stell, wo mi sofort agsproche het. «Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.»
Die Wort klinge bis hüt noch. Damals ufem Bärg het dr Petrus dänkt: Do oobe, wo d Gegewart Gottes so spürbar isch, könnt me bliibe. Do könnt me Hütte baue. E Ort gstalte, wo s Heilige Ruum het. Und zwar nid nur ei Hütte, sondern grad drei. Eini füre Jesus, eini füre Mose und eini füre Elia.
Und genau die Froog bewegt uns in dr Kirchereform: Mir stelle uns in e langi Tradition und müen uns doch immer wieder frooge: Wo wän mir unseri Hütte baue? Oder mitem Bild vom Huus: An wellem Huus, an wellne Rüüm, an wellne Türe und Fänschter, wän mir mitbaue?
Viellicht isch unseri Kirche mängisch wies imposante Huus, wo abschreckend wirkt und e schwer zöffnendi Tür het. Wär vo usse kunnt, fühlt sich nid immer iiglade. Aber Inne gits Rüüm, wo riich sin und voller Läbe: E Bibliothek mit Tradition und Weisheit, e Ässzimmer, wo Gmeinschaft wachst, Wohnzimmer, wo Verschiedes abiete – s einte vertraut und stabil, s andere offe für Neus und überraschend bequem.
D Kirchereform ladet uns ii, die Rüüm neu zdänke. Wo wän mir Möbel rucke? Wo bruche mir früschi Farbe? Wo sölle Fänschter ufgoh, damit meh Liiecht und e Windhuch inekömme? Viellicht bunti Glasfänschter, wo Gottes Liecht in allne Farbe dureschilleret. Viellicht e Zuun, wo nid trennt, sondern mit sine Rägebogefarbe iiladend lüchtet – als Zeiche vo Gottes Bund mit allne Mensche und als Zeiche, dass wirklich alli willkomme sin.
Und viellicht brucht unsers Huus, unseri Kirche, zallererscht e neui Tür: offe, liicht ufzmache, ohni Schwelle – damit niemerts duss stoh bliibt.
Welles Huus isches für Euch wärt, dass ihr Euch drfür iisetzet? Welli Kirche wän Dir baue?
Es goht nid drum, dass ei Person allei dr Bauplan zeichnet. Es goht drum, dass wir zäme überlege: Welli Rüüm bruche mir hüt, damit Mensche könne Heimat finde? Wo sölle d Fänschter offestoh, damit Liecht inefallt? Welli Farbe ghöre an Wänd, welli Türe wän mir ufstosse?
Das schaffe mir, wenn mir enand zuelose, enand iilade mitzdänke. Indäm mir am Kirchefescht zämekömme und Idee spinne. INdäm mir d Kraft vo dr Schwarmintelligänz nutze – viel Stimme, viel Gedanke, wo zäme meh ergänz als ei einzigi. Indäm mir muetig usprobiere und im Gspröch bliibe.
So wachst e Huus, wo nicht nur us Beton bestoht, sondern us Gmeinschaft. E Huus, wo Gottes Bund mit uns uflüchtet wiene Rägeboge. E Huus, wo mir Platz hän für Vielfalt, für Froge, für Glaube und Zwiifle, für Jung und Alt, für Tradition und Ufbruch.
Wie d Kirche vo dr Zuekunft wird usseh? Ich weiss es nid. Aber viellicht höre mir, wenn mir uns ufmache und uns drfür iisetze, an dere Kirche mitzbaue, wie damals dr Petrus, dr Wunsch: «Herr, hier ist gut sein.» Nid, will alles fertig isch, sondern will mir uns gmeinsam ufmache und unterwägs sin. Amen.


Bilder: Youtube