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… Ein Senfkorn wird zum Baum

Theologische Tagung: Welcher Gott darf’s denn sein?

Wie kann Kirche Gemeinschaft leben, wenn Menschen ganz unterschiedlich von Gott denken? Und welche Rolle kann sie in einer zunehmend säkularen Gesellschaft spielen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich mehr als 70 Teilnehmende am 19. September im Kirchgemeindehaus Lenzburg. Unter dem Titel «Welcher Gott darf’s denn sein?» hatte die Theologische Kommission zu einer Tagung über die Zukunft der Kirche eingeladen.

Den theologischen Grundstein legte Miriam Rose, Professorin für Systematische Theologie und Dogmatik an der Universität Basel. Sie entwarf das Bild einer «kreativen Kirche», in der Vielfalt und Gemeinschaft keine Gegensätze sind. Theologisch hätten beide denselben Ursprung: Der Heilige Geist schenke den Menschen unterschiedliche Gaben und verbinde sie zugleich zu einer Gemeinschaft.

Gerade darin könne Kirche auch Vorbild für die Gesellschaft sein: wenn es ihr gelingt, Unterschiede auszuhalten und dennoch zusammenzubleiben. Dafür brauche es klare institutionelle Regeln, verlässliche Verantwortungsstrukturen und vor allem gegenseitiges Vertrauen.

Nicht der Konsens trägt die Gemeinschaft

Christentum verstand Rose als einen gemeinsamen Prozess des Herausfindens, was Christsein bedeutet. Dabei müsse am Ende nicht zwingend ein Konsens stehen. Entscheidend sei vielmehr die gemeinsame Überzeugung, dass es sich lohnt, um zentrale Fragen zu ringen – und dem Gegenüber zuzugestehen, dass auch dessen Position aus einem ernsthaften Interesse am Glauben entsteht.

Für die Kirchenreform bedeutet dies, vorhandene Strukturen nicht nur als Begrenzung wahrzunehmen, sondern ihre Möglichkeiten neu zu entdecken und Menschen zur Mitgestaltung einzuladen. In einer säkularer werdenden Welt müsse Kirche zudem für die «Denkbarkeit Gottes» eintreten: interessante Gottesbilder zur Diskussion stellen, spirituelle Zugänge eröffnen und feinfühlig und situationsgerecht von Gott sprechen.

Wie unterschiedlich solche Zugänge sein können, zeigte sich in zwölf Workshops. Mit Bibelarbeiten, Bibliolog und kreativen Methoden erkundeten die Teilnehmenden eigene und fremde Gottesbilder. Dabei wurde praktisch erfahrbar, was Rose zuvor beschrieben hatte: Gemeinschaft kann entstehen, wenn unterschiedliche Sichtweisen Raum bekommen und Menschen einander zuhören, ohne auf dem eigenen Recht zu beharren.

Kirche muss nicht auf alles eine Antwort haben

Auch die Podiumsdiskussion zeigte unterschiedliche Perspektiven. Pfarrer Micha Baumgartner berichtete von den vielfältigen Gottesbildern, denen er im Dorfpfarramt begegnet. Der designierte Geschäftsführer der Aargauer Landeskirche, David Lentzsch, machte deutlich, dass theologische Vorstellungen selbst in institutionelle Entscheidungen einfliessen – etwa wenn Prioritäten gesetzt und finanzielle Mittel verteilt werden.

Evelyne Baumberger, Leiterin des RefLab, hob die Bedeutung persönlicher Begegnungen hervor. Menschen wollten mit Menschen in Kontakt treten. Miriam Rose verwies ergänzend auf Kunst und Musik als mögliche Zugänge zu Glaubensfragen.

Einigkeit herrschte bei der Frage, wie Kirche Menschen begegnen soll, die ihr nicht oder nicht mehr angehören: Sie müsse sich von der Vorstellung verabschieden, allen jederzeit etwas sagen zu müssen. Zuhören, Menschen vor Ort begegnen und durch die eigene Lebenspraxis zeigen, wofür Kirche steht – darin sah das Podium einen wichtigen Weg in die Zukunft.

Zum Abschluss wurde das Leitmotiv des Tages noch einmal sichtbar und erfahrbar. Bei der gemeinsamen Abendmahlsfeier standen die Teilnehmenden in einem grossen Kreis. «Wir sind nicht einheitlich, aber wir halten zusammen», fasste Dörte Gebhard, Präsidentin der Theologischen Kommission, den Gedanken zusammen.

So blieb am Ende eine zentrale Botschaft: Kirche braucht keine Einheitlichkeit, um Gemeinschaft zu sein. Entscheidend ist die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten, miteinander im Gespräch zu bleiben und gemeinsam Kirche zu gestalten.

Claudia Daniel-Siebenmann

(Zusammenfassung durch ChatGPC)